Briefe nach hause
langsam kehrt der winter ein in buenos aires. die eh kurzen tage, da es hier ja schon so um die 6 uhr eindunkelt, werden von kalten nächten, besonders wenn man keine heizung und keine wirklich isolierten wände hat, verfolgt. und prompt wurde ich krank. na ja, die verwöhnten schweizer mit ihren geheizten und gemütlich winterfesten häuser sind sich halt auch gar nichts gewohnt.![]()
die kränke hält mich natürlich in nichts auf. letzte woche habe ich die schule beendet und versuche nun so oft wie möglich mein spanisch zu trainieren. also plappere ich immer schön drauflos. aber eigentlich ist es nicht allzu schwierig mit den argentiniern in kontakt zu treten, da sie einem immer zuvorkommen. ich gehe fast jeden abend ins theater oder in konzerte und die leute wollen immer über das gerade gesehene oder gehörte plaudern. also gebe ich meine kritik auf spanisch ab und bin langsam schon ziemlich gut darin. am samstag sah ich ein modernes, total ausgeflipptes tanzstück und irgendwann kam ich mit meiner nachbarin ins gespräch, welche, wie sich dann herausstellte, choreografin ist und sich gut in der tanzszene auskennt. sie ist eine etwas ältere dame und sie schleppte mich nach dem stück mit zu den choreographen und tänzer. für mich natürlich super! ich bin dann auch immer wahnsinnig interessant, so aus der schweiz und so ganz anders:-) die ana kamien, so hiess die gran’dame, war dann auch einen tag darauf im selben stück wie ich. (ich hab später dann herausgefunden, dass sie scheinbar ziemlich einen namen hat hier. schade, dass man das erst später weiss….)
das teatro san martin ist bekannt für sein gutes moderntanzensemble. und meine tanzlehrerin im modern hat eben auch da getanzt, also war ich sehr gespannt. ich zahlte also die 4 franken eintritt und freute mich. das erste stück war von tronsky (?) choreografiert und wurde von einer pianistin live begleitet. sie spielten györgy ligeti. ein modernen klassischer komponist. die musik war sehr abstrakt und hat mir gut gefallen und auch die tänzer waren super. das zweite stück dann, war von carlos casella. ein debut. und es war so unglaublich schön! ein stück mit vielen verschiedenen, parallel verlaufenden geschichten, mit wunderschönen tänzerInnen und die musik war genau mein stil. eine szene war zu tom waits und das bild, die musik und die interpretation der künstler war einfach perfekt. ich war grad verzaubert!! nach der pause, wurde ich belehrt, käme nun noch der höhepunkt, der maestro mauricio wainrot selbst, habe das stück choreografiert. ich dachte schon, dass es schwierig sein würde das letzte zu toppen und tatsächlich war die choreo dann eine katastrophe. so etwas zwischen ballett und aerobic mit kostümen zum grauen. sehr enttäuschend. den andern hats gefallen und meine laune war dahin! dennoch war es ein wunderbares erlebnis. heute gehe ich in ein tangoballet zu livemusik und ich bin sehr gespannt. was ich bisher gesehen habe hier, ist alles sehr beeindruckend. die künstler hier sind grösstenteils sehr versiert.
manchmal sieht man natürlich auch schrecklich turistische, grauenvolle tangopaare aber auch die strassenkunst wird hier sehr intensiv und auf hohem niveau betrieben. letztes wochenende war ich auf einem markt, wo viele tangoorquestras gespielt haben. sie promoten sich so und verkaufen ihre cds. meistens sind ganze orchester draussen, samt klavier und geigen, cellis und bässe.ein fest! und in jeder ecke eine neue gruppe.
und es wird auch getanzt an diesen märkten. macht also grossen spass zuzusehen! so durch die stassen zu flanieren und kultur zu geniessen.![]()
ich habe nun endlich auch ein studio gefunden wo ich modern tanzen kann. war gar nicht so einfach! ist natürlich auch schwierig eine stunde zu finden, die an die ninastunden rankommt!!
die lehrerin heisst mariela alarcon und tanzte, wie schon gesagt, im ensemble des teatro san martin und auch im teatro de colon. die stunde hat mir so gefallen. endlich wieder mal so richtig tanzen. ihr stil ist sehr modern und oft auch improvisiert, was für mich doch neu ist. es tut mir sehr gut und ich fühle mich dort sehr wohl. die mariela hatte auch freude und ich werde dort nun regelmässig hingehen. super! tango tanze ich nun auch regelmässig in einem studio und es macht mir grossen spass. am mittwoch werde ich eine stunde in der technik für die frau nehmen und bin doch schon sehr gespannt!
ich bin froh, die schule nun beendet zu haben, denn sie hat mir doch immer sehr viel zeit genommen. war natürlich sehr wichtig auch, aber jetzt ist genug. diese woche werde ich der laura baade anrufen. ich freue mich, endlich zu ihr in die stunde gehen zu können. es bleibt also alles neu und aufregend. mir geht es wunderbar und ich geniesse das leben hier in vollen zügen…….
eine woche später………..
… fühle ich mich nun schon so richtig zuhause hier! die stadt gefällt mir von tag zu tag besser und jeden tag erlebe ich aufregende geschichten und lerne spannende leute kennen. am samstag habe ich mich mit meiner zukünftigen mitbewohnerin, cecilia, getroffen (ich habe sie durchs internet, auf der suche nach einer wohnung, kennengelernt), die mich zuerst chli anschauen wollte, bevor sie mich einlädt bei ihr zu wohnen. so gingen wir also an ein konzert ihres ex ex ex freundes (sie bestand wehement auf den exes), welcher pianist ist und der mit einem bandoneonisten tango arrangements interpretierte. das konzert war sehr eindrücklich und es hat mich unglaublich motiviert und inspiriert!
die cecilia ist schauspielerin und sehr lustig.und da ich ihr auch genug “linda” bin, freue ich mich nun sehr, ab ende mai, bei ihr zu wohnen. sie kennt auch sehr viele spannende leute, musiker, tänzer und schauspieler, was für mich natürlich sehr gut ist.
am sonntag dann besuchte ich ein konzert vom ramiro gallo quinteto, welches in vergessenheit geratene tangopartituren spielte. die musik war unglaublich schön und auch sehr interessant! die partituren waren sehr alt und die arrangement unglaublich komplex. sowieso sind die musiker hier eine klasse für sich. die meisten haben eine klassische ausbildung und sind technisch unglaublich versiert, befassen sich aber auch intensiv mit jazz und improvisation. und dann natürlich die argentinische hingabe zum tango und zur musik im generellen.
vor allem die jungen und sehr alten leute zelebrieren die kultur des tango richtiggehend, was ich auch an der milonga am freitag zu spüren bekam. etwa 100 argentinierInnen treffen sich da in einem riesigen saal. dann wird von 9:00 bis 12:00 mit lehrern in verschiedenen gruppen tanzen geübt, um dann ab 12 uhr so richtig loszulegen! da hat es also jede alters- und niveauklasse und alles ist ein drunter und drüber. die lehrer müssen immer rumschreien, weil die musik nie aufhört zu spielen und die verwirrten tanzpaare schlängern sich durch die massen. alles sehr amüsant und aufregend! es hat da auch unglaublich gute tänzer aber auch totale anfänger. man kann sich dann einfach zu einer gruppe seines niveaus gesellen und dann finden sich die partner. oder sie finden dich:-) die männer geben natürlich alles aber die meisten können auch wirklich gut tanzen.
gestern dann, bin also zum ersten mal ins ballett gegangen, ins estudio julio bocca. das ist hier in buenos aires der bekannteste und beliebteste balletttangotänzer. sein studio ist irgendwie glaubs auch mit dem konsi für tanz verbunden. auf jeden fall habe ich mich in einer klasse wieder gefunden, in der alles klassische profitänzer mittrainieren. betonung auf tänzER. im gegensatz zur schweiz, wo männer eher rar gestreut sind im ballett, waren wir frauen in dieser stunde eindeutig in der minderheit. und wie die männer tanzten! einfach krass! ui ui ui! das niveau ist aber irgendwie doch gemischt. also profi und intermedia und ich habe mich einigermassen gut geschlagen. der maestro war auf jeden fall zufrieden mit mir und ich kann mit denen mittrainieren. super! der maestro ist ein älterer herr, ricardo rivas, und wie hier üblich geben alle schüler dem maestro einen hallo- uns adekuss. es erschien mir erst etwas seltsam aber es ist irgendwie sympathisch. meine lieben tanzfreundinnen, es wird also hart hier für mich aber ich freue mich sehr auf die tanzstunden. denkt bitte chli an mich und leidet mit mir!!
auf jeden fall, werde ich hier auf meine kosten kommen und viel lernen können. die jungs und auch die mädchen waren denn auch alle sehr hilfsbereit und ich wurde mit offenen armen empfangen.
nun ist langsam endlich alles einigermassen organisiert. alles weitere wird nun kommen, da bin ich sehr zuversichtlich. in buenos aires muss man einfach drauflos fragen und machen und es ergibt sich immer irgendeine gelegenheit. das kuturangebot ist riesig und ich will ganz viel schauen und hören gehen. ich bin unglaublich motiviert, übe, komponiere und habe schon so viele ideen. es tut mir wirklich sehr gut hier zu sein. ich fühle mich glücklich und die zeit rennt schon jetzt davon….
so also, nun endlich! liebe freunde und freundinnen, ich bin angekommen!!!
nach dem ersten schrecken und nachdem ich den schock des alleinseins
und des abschieds (von meinem moritz) einigermassen überwunden habe,
fühle ich mich nun langsam wohl in dieser fremden welt. buenos aires ist
unglaublich gross und als ich so gaaaanz alleine bei regen und sturm in ein taxi am
flughafen stieg, überfiel mich die einsamkeit und das gefühl der enormen distanz zu allem gewohnten. es war schlichtweg überwaeltigend. den ersten tag verbrachte ich dann auch wie in trance. erst gestern, bin ich zum ersten mal so richtig in der stadt unterwegs gewesen und hab gemerkt, dass
ich mich hier so richtig wohlfühlen werde. die stadt ist unglaublich! alles ist
möglich! die häuser erinnern mal an paris mal an new york(obschon nie
dagewesen) und dann plötzlich an bangkok! sowiese erinnert mich buenos
aires so ziemlich stark an asien. der himmel ist dauernd bewoelkt
aber das klima ist so feucht und düppig, dass ich froh bin um die gräue! auch
riecht es hier wie in bangkok. man riecht essen, smog und die feuchtigkeit. super! die menschen sind
tatsächlich viel offener als in der schweiz aber sehr angenehm. man wird geliebt als weibliches wesen und dies zeigen die argentinier sehr offen aber nichtagressiv.
auch die frauen sind viel offener. das macht mir hier vieles
leichter! heute habe ich mit einem spanischkurs angefangen und wie erwartet lernt man
sofort viele leute kennen. es ist alles sehr aufregend und
ich fühle mich so viel besser schon. morgen werde ich nach der schule eine
tanzklasse suchen. tanz und musik sind hier unglaublich präsent.
überall hört und sieht man tango! auf der strasse! je nach stadtteil, ist es aber
sehr turistisch. dennoch, romantisch! es scheint ein imenses kulturangebot zu
geben und viele tanzkurse in allen richtungen werden angeboten. ich
freue mich wahnsinnig, endlich zu tanzen! das klavier kommt natürlich auch
nicht zu kurz, nur muss ich eben noch ein bisschen spanisch lernen um mit den
lehrern arbeiten zu können.
das ist noch ein bild von paris .
menschen vom eifelturm herab gesehen.

Leave a Reply